Eröffnung KVB-Haltestelle Breslauer Platz

Operation am offenen Herzen

Innenstadt. Wer zu den Sittichen vom Breslauer Platz will, muss unter Tage fahren. In elf Metern Tiefe werden in der neu eröffneten Haltestelle „Breslauer Platz“ die Nist- und Brutgewohnheiten der Alexander- und Halsbandsittiche, die eigentlich im Stammheimer Schlosspark leben, auf drei Leinwände übertragen. Per Live-Videostream und rund um die Uhr können die Passagiere in Echtzeit verfolgen, wie die Papageien ihre Schlafplätze anfliegen, den Nachwuchs füttern oder einfach putzig aus dem Bau gucken. Big Brother in der Vogelkolonie: Sieben Kameras hat der dänische Künstler Tue Greenfort in Stammheim installiert, damit die KVB-Kunden in der City das Geschehen verfolgen können. „Mit dem Datenschutz haben wir bisher keine Probleme“, sagt Greenfort. „Die Vögel finden das ganz lustig.“

Die Aufnahmen der grünen Papageien sollen den Fahrgästen in der am Samstag eröffneten U-Bahn-Haltestelle „Breslauer Platz“ die Wartezeit auf die Züge der Linien 5, 16 und 18 verkürzen. Dabei ist das unterirdische Bauwerk an sich schon ein Hingucker. Auf 225 Metern Länge und 30 Metern Breite haben sich Ingenieure und bis zu 180 Arbeiter unter der Regie der KVB sieben Jahre lang in die Erde gegraben. 20 000 Kubikmeter Erde wurden dabei bewegt, 16 000 Kubikmeter Stahlbeton für die Wände, 3500 Kubikmeter Blech und Metall für die Decken sowie 2600 Quadratmeter für die Fußböden verbaut. Stadt, Land und Bund investierten insgesamt 50 Millionen Euro in den Bahnhof.

Bei der Eröffnung verglich Oberbürgermeister Jürgen Roters den Bau mit einem „Marathonlauf durch schweres Gelände“. Grund: Nach dem Einsturz des Stadtarchivs an der Severinstraße im März 2009 hatten Kritiker der Nord-Süd-Bahn gefordert, das Projekt komplett zu stoppen. Mittlerweile habe sich der Bahnhof am Breslauer Platz aber zu einem „Entrée für die Stadt“ entwickelt. Dafür sorgen unter anderem die drei Eingangsbauwerke am Breslauer Platz, Eigelstein und im Kunibertsviertel, die mit ihren Säulen aus Stahlbeton an antike Tempel erinnern. Von den Eingängen führen zwei Verteilerebenen zu den Bahnsteigen. Zwei Gleise sind für die Nord-Süd-Bahn reserviert, über die von Ende 2012 an Züge bis zum Rathaus und von 2013 an bis zum Heumarkt fahren sollen.

Begonnen haben die Arbeiten 2004: Kabel und Leitungen wurden aus der Erde gezogen und anschließend Baugrubenwände für die Schächte gebaut, von denen aus die 46 Meter langen Bohrmaschinen die Tunnel gruben. Ab Oktober 2006 wurde die Haltestelle für zehn Monate ganz geschlossen, um die Baugrube auszuheben und die alte Haltestelle abzubrechen. In der Zeit entstand auch der größte Teil des Rohbaus des neuen Bahnhofs. Ab August 2007 konnten die KVB-Züge die Haltestelle wieder passieren. Damit die Arbeiten während des Betriebs weiterlaufen konnten, wurde um die neue Haltestelle eine Schutzhülle gebaut.
 „Es war eine Operation am offenen Herzen“, sagte KVB-Vorstandsvorsitzender Jürgen Fenske bei der Eröffnung. Offenbar aber auch eine notwendige: Denn die Haltestelle am Dom platzte aus allen Nähten, und die Fahrgastzahlen der KVB stiegen: 2010 beförderte das Unternehmen 272 Millionen Kunden, 2011 soll das Ergebnis noch einmal gesteigert werden.

Passagiere, die den Sittichen am Breslauer Platz genau zugucken, könnten sogar einen Beitrag für die Wissenschaft leisten. Denn die Tiere hätten Forscher bislang kaum unter die Lupe genommen, sagte Künstler Greenfort. „Es ist wirklich nur sehr wenig über sie bekannt.“ Echte Vögel hat der Breslauer Platz übrigens auch zu bieten: Tauben und Möwen hocken gern oberirdisch auf den Geländern des S-Bahn-Gleises des Hauptbahnhofs und auf den Lampen des Platzes.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger